Radfahren im Herbst und Winter: Licht, Reifen, Kleidung
25 Meter. Aus dieser Entfernung erkennt dich ein Autofahrer bei Dunkelheit, wenn du dunkel gekleidet bist. Mit heller Kleidung sind es etwa 40 Meter, mit reflektierender Kleidung rund 140 Meter. Diese Werte nennt die Polizei NRW in ihrem Merkblatt zur Erkennbarkeit bei Dunkelheit. Bei Tempo 50 macht dieser Unterschied oft aus, ob jemand noch rechtzeitig bremsen kann.
Laut Statistischem Bundesamt starben 2025 in Deutschland 462 Menschen bei Unfällen mit dem Fahrrad. Gerade im Herbst und Winter kommen schlechte Sicht, nasses Laub und frühe Dunkelheit zusammen. Mit ein paar Handgriffen bist du in der dunklen Jahreszeit deutlich sicherer unterwegs.
Licht: sehen und gesehen werden
Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) schreibt vor, wie dein Rad ausgestattet sein muss. Pflicht sind vorne ein Scheinwerfer für weißes Licht und hinten eine rote Rückleuchte. Dazu kommen Reflektoren: ein weißer vorne, rote Rückstrahler hinten, gelbe Reflektoren an beiden Pedalen und je zwei gelbe Speichenreflektoren pro Laufrad oder reflektierende Reifenflanken.
Wer ohne Licht oder mit defekter Beleuchtung fährt, zahlt laut Bußgeldkatalog 20 Euro. Mit Gefährdung sind es 25 Euro, bei einem Unfall 35 Euro. Das eigentliche Risiko ist aber nicht das Bußgeld, sondern dass du übersehen wirst.
- Prüfe dein Licht regelmäßig: Wackelkontakte, schwache Akkus und verdreckte Scheinwerfer fallen oft erst auf, wenn es dunkel ist.
- Stell den Scheinwerfer richtig ein: Er soll die Fahrbahn vor dir ausleuchten, aber den Gegenverkehr nicht blenden.
- Achte auf das Prüfzeichen: Zugelassene Leuchten tragen eine Wellenlinie mit dem Buchstaben K und einer Nummer.
- Lade Akkuleuchten rechtzeitig: Kälte verkürzt die Laufzeit. Nimm abnehmbare Leuchten bei Frost am besten mit nach drinnen.
Reifen und Bremsen: Halt auf nassem Untergrund
Nasses Laub, Kopfsteinpflaster, Straßenbahnschienen und Raureif machen Herbst und Winter rutschig. Deine Reifen sind die einzige Verbindung zur Straße, deshalb lohnt sich hier ein genauer Blick.
- Profil kontrollieren: Abgefahrene Reifen verlieren auf nassem Untergrund schnell den Halt. Ist das Profil kaum noch zu sehen, ist ein Wechsel fällig.
- Luftdruck etwas senken: Etwas weniger Druck vergrößert die Auflagefläche und verbessert den Grip. Bleib dabei aber im Bereich, der auf der Reifenflanke angegeben ist.
- Über Winterreifen nachdenken: Wenn du auch bei Schnee und Eis regelmäßig fährst, gibt es Fahrradreifen mit weicher Gummimischung oder Spikes.
- Bremsen prüfen: Abgenutzte Beläge und nasse Felgen verlängern den Bremsweg. Bremse bei Nässe früher und gefühlvoller.
Kleidung: hell, reflektierend und warm
Die Zahlen vom Anfang zeigen: Reflektoren bringen am meisten. Eine Warnweste, reflektierende Bänder an Armen und Beinen oder ein Rucksack mit Reflexstreifen kosten wenig und machen dich schon von Weitem sichtbar. Besonders wirksam sind Reflektoren an Stellen, die sich bewegen, also an Knöcheln, Füßen und Pedalen. Die Bewegung fällt im Scheinwerferlicht sofort auf.
- Zwiebelprinzip: Mehrere dünne Schichten halten wärmer als eine dicke Jacke. Du kannst unterwegs eine Lage ausziehen, wenn dir warm wird.
- Hände und Ohren schützen: Kalte Finger reagieren langsamer an Bremse und Schaltung. Handschuhe und ein dünnes Stirnband unter dem Helm helfen.
- Regenschutz einpacken: Eine leichte Regenjacke, am besten in Signalfarbe, passt in jede Tasche.
Fahrweise: vorausschauend und mit Abstand
Auch das beste Licht nützt wenig, wenn du dich auf deine Sichtbarkeit allein verlässt. Rechne bei Dunkelheit und Regen damit, dass andere dich später sehen als du sie.
- Fahr langsamer in Kurven: Unter Laub können Schlaglöcher oder glatte Stellen liegen.
- Kreuze Schienen möglichst im rechten Winkel: So rutschst du nicht in die Rille.
- Halte Abstand zu geparkten Autos: Eine plötzlich geöffnete Tür ist im Dunkeln noch schwerer vorherzusehen.
- Such Blickkontakt: An Kreuzungen und Einfahrten gilt: Erst wenn du sicher bist, dass man dich gesehen hat, fährst du weiter.
Fazit
Sicher durch Herbst und Winter kommst du mit drei Dingen: funktionierendem Licht, Reifen mit gutem Profil und Kleidung, die dich sichtbar macht. Prüf dein Rad jetzt einmal gründlich, pack Reflektoren und Regenjacke ein und fahr in der dunklen Jahreszeit etwas vorausschauender. Dann macht Radfahren auch bei Nieselregen und früher Dunkelheit Spaß.